reinhard grindel 103~ v videowebm - Reinhard Grindel - Vom Politik-Hardliner zum Chef des DFB

DFB-Chef Grindel war Journalist. Später wechselte er in die Politik und machte sich einen Ruf als Hardliner. Erst als sich diese Karriere dem Ende entgegen zu neigen schien, wurde er Fußball-Funktionär.

Von Eva Ellermann, ARD-Hauptstadtstudio

Mit 16 Jahren ist Reinhard Grindel in die CDU eingetreten, aber beruflich hat er die Politik erst mal lange Jahre von außen beobachtet. Er war zunächst Journalist für das ZDF. Vor 16 Jahren wurde Grindel dann Berufspolitiker. Für die CDU zog er als Abgeordneter in den Bundestag ein. “Es begann mit einem Gespräch beim Bier”, erklärte er später den Seitenwechsel. Allerdings verriet er nicht, mit wem er das Bier getrunken hatte.

Glaubwürdigkeit nahm sich Grindel damals vor. “Ich glaube, man muss so bleiben, wie man ist, und sich nicht verstellen. Authentisch bleiben. Man selbst bleiben”, sagte er. Und wenn das dann nicht immer jedem gefalle, dann müsse man damit leben. “Aber ich glaube, das ganz Wichtige ist, dass man den Menschen – und natürlich auch vor allem den Parteifreunden – nichts vormacht.”

Hardliner in der CDU – vor allem in Sachen Integration

Grindel machte sich zunächst einen Ruf als Hardliner in der CDU – vor allem in Sachen Integration. Zum Beispiel stand er dafür ein, dass junge Deutsche mit doppelter Staatsbürgerschaft sich für eine entscheiden müssten.

Er selber sagte später, er sei als “kämpferischer Heißsporn” in die Politik gestartet. In der Zuwanderungspolitik stand er immer Horst Seehofer näher als Angela Merkel. Immerhin duzt er sich mit der Kanzlerin, was er gerne mal nebenbei erwähnt.

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Skandal um die WM-Vergabe 2006

Grindel war Mitglied im Innen- und im Sportausschuss des Bundestags. Zuletzt ab 2013 hatte er nur noch das Amt des stellvertretenden Vorsitzender im Sportausschuss inne.

Böse Zungen behaupten, dass der begabte Netzwerker Grindel auch deshalb DFB-Schatzmeister wurde, weil seine politische Karriere ins Stocken geriet. In seiner Doppelfunktion als Politiker im Sportausschuss und DFB-Funktionär wurde er heftig kritisiert, weil der Politiker Grindel Konsequenzen aus dem Skandal um die WM-Vergabe 2006 mitzuentscheiden hatte.

Es waren Konsequenzen, die dem DFB-Schatzmeister Grindel damals nicht gefallen konnten. Letztlich musste der DFB über 19 Millionen Euro Steuern nachzahlen.

Politische Karriere beendet – nicht ganz ohne Druck

Im Juni 2016 – kurz nach seiner Wahl zum DFB-Präsidenten – beendete Grindel seine politische Karriere. Das geschah nicht ganz ohne Druck von außen, denn eigentlich wäre er gerne noch bis zum Ende der Legislaturperiode Bundestagsabgeordneter geblieben.

Der Jobwechsel vom Politiker zu Deutschlands oberstem Fußballfunktionär war für Grindel nicht so einfach. “Als Bundestagsabgeordneter habe ich immer ganz ruhig geschlafen, weil im Zweifelsfall jeder sagen konnte: Die Angela richtet das schon”, sagte er. “Jetzt bin ich selber der, der sozusagen die Verantwortung trägt. Und dann macht man sich nachts schon ein paar mehr Gedanken.”

Als Grindel seinen neuen Job als Chef beim DFB antrat, fragten sich viele, ob der Politiker “Fußball”  überhaupt kann. Er war zwar langjähriges Mitglied beim Rotenburger SV in Niedersachsen, aber so richtig warm geworden mit dem DFB war er erst beim Sommermärchen 2006.

“Ein ganz wichtiges Leuchtturmprojekt”

Die spätere Diskussion über die Vergabe der WM 2006 nach Deutschland ging ja nun bekanntlich für den DFB nicht gut aus. Aber dennoch will Grindel eine neue Begeisterungswelle für kommende Turniere auslösen. “Deswegen ist zum Beispiel eine Initiative wie die, dass wir die Europameisterschaft etwa 2024 nach Deutschland holen wollen, ein ganz wichtiges Leuchtturmprojekt”, sagt Grindel. “Auch für den Amateurbereich, weil wir bei der Weltmeisterschaft 2006, und vor allen Dingen danach, erlebt haben, wie viel das Kinder und Jugendliche bewogen hat, auch wettbewerbsmäßig im Verein Fußball zu spielen.”

Dass die Fußball-EM in sechs Jahren nach Deutschland vergeben wird – und nicht in die Türkei, die sich ebenfalls bewirbt -, ist Grindels großes Ziel. Allerdings ist sein Kurs in Sachen Integration und der Umgang des DFB mit dem ehemaligen Nationalspieler Mesut Özil für Grindel inzwischen zu einem echten Handicap geworden für die Mission EM 2024.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Juli 2018 um 09:08 Uhr.

http://www.tagesschau.de/inland/reinhard-grindel-101.html

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