kommentar den menschlichen faktor unterschaetzt - Kommentar: Den menschlichen Faktor unterschätzt

Bayer hat Erfahrung mit langwierigen und teuren Prozessen, kommentiertMichael Heussen. Aber die Lawine, die mit dem Urteil gegen das Tochterunternehmen Monsanto ausgelöst werden könnte, könnte alles übersteigen.

Ein Kommentar von Michael Heusen, WDR

Der Name Monsanto könnte schon in wenigen Tagen komplett verschwinden. Doch auch wenn die Schilder in der bisherigen Firmenzentrale in St. Louis abgeschraubt werden und dann stattdessen das Bayer-Kreuz am Mississippi leuchtet: Monsantos langer Schatten wird den deutschen Chemie-Konzern viel stärker belasten, als er es sich bisher eingestehen wollte.

Denn das Urteil von San Francisco wird Signalwirkung haben. Mehr als 5000 Amerikaner klagen gegen Monsanto. Sie sind fest davon überzeugt, dass ihre Krankheiten, wie etwa das bösartige Non-Hodgkin-Lymphom, von Glyphosat-haltigen Monsanto-Produkten wie dem weitverbreiteten Herbizid Roundup ausgelöst wurden.

Lawine ausgelöst?

Die kalifornische Gerichtsjury sah das genauso: Rund 290 Millionen Dollar Schmerzensgeld wurden einem ehemaligen Schulhausmeister zugesprochen, der bereits von der tödlichen Krankheit gezeichnet ist.

Bayer hat in seiner Geschichte zwar schon einige Erfahrung mit langwierigen und teuren Prozessen wegen unerwünschter Nebenwirkungen von Medikamenten gesammelt. Aber die Lawine, die jetzt ausgelöst werden könnte, dürfte alles dagewesene übersteigen. Und dieses Problem haben sich die Leverkusener leichtfertig ins Haus geholt.

Hoher Preis

Immer wieder haben sich Branchenkenner gefragt, warum Bayer-Chef Werner Baumann die 63-Milliarden-Dollar-Fusion auf Biegen und Brechen durchziehen wollte. Der Preis: viel zu hoch. Das Image von Monsanto: desaströs. Das Risiko von Klagewellen, für die dann Bayer haften muss: vollkommen unkalkulierbar, wie sich jetzt zeigt.

Bayers Logik war eine andere: Lieber kaufen als selbst gekauft werden. Lieber einem amerikanischen Unternehmen die deutsche Firmenkultur überstülpen als umgekehrt. Und bei der Bewertung der Gesundheitsrisiken sprachen die Manager aus St. Louis und Leverkusen schon lange die gleiche Sprache: Glyphosat sei bei sachgemäßer Verwendung ungefährlich, das hätten zahlreiche Studien belegt.

Und die einzige Studie, die von “wahrscheinlich krebserregend” sprach, herausgegeben von der zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörenden Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC), hatte heißen Mate-Tee und rotes Fleisch in derselben Kategorie eingeordnet. Also alles völlig harmlos aus Sicht der Glyphosat-Hersteller.

Dem Verbraucher ähnlich

Die Jury in amerikanischen Gerichten besteht aus Laien, die manchmal eher aus dem Bauch als auf der Grundlage von Fakten entscheiden. Damit sind sie dem normalen Verbraucher sehr ähnlich. Genau diesen menschlichen Faktor haben Monsanto und Bayer vollkommen unterschätzt.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

http://www.tagesschau.de/kommentar/monsanto-149.html

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