zehn jahre airbnb am anfang war die luftmatratze - Zehn Jahre Airbnb: Am Anfang war die Luftmatratze

Vor zehn Jahren wurde Airbnb gegründet. Die Idee: Luftmatratze und Frühstück – air bed and breakfast. Heute ist das Unternehmen in 81.000 Städten vertreten – und sieht sich mit Kritik konfrontiert.

Von Nicole Markwald, ARD-Studio Los Angeles

Alles fing mit Luftmatratze und Frühstück an, übersetzt: air bed and breakfast. Die Uni-Absolventen Brian Chesky und Joe Gebbia hatten vor zehn Jahren Not, ihre hohe Miete in San Francisco zu zahlen. Bei einer anstehenden Design-Konferenz legten sie drei Luftmatratzen ins Wohnzimmer und inserierten ihr Angebot – es ist der 11. August 2008, die Geburtsstunde von Airbnb.

Heute hat das Unternehmen Angebote in 191 Ländern und rund 81.000 Städten. Ein Börsengang steht unmittelbar bevor.

Wenn man es genau betrachtet, dann verdanken die drei Gründer von Airbnb Barack Obama und John McCain ihren Erfolg. Denn eigentlich sah es 2008, kurz nach der Gründung von Airbnb, düster aus für den Zimmervermittler. Kaum jemand verirrte sich auf die Webseite des Startups, um ein Zimmer oder gleich eine ganze Privatwohnung in einer anderen Stadt zu buchen. Bis Chesky, Gebbia und Nathan Blecharczyk auf die Idee mit Obama O’s und Cap’n McCain’s kamen – Frühstücksflocken mit Comicversionen der damaligen Kontrahenten Obama und McCain auf der Box. Ein Gimmick, ein letzter Versuch, um die Zimmervermietungen zum Parteitag der Demokraten in Denver, Colorado, anzukurbeln.

Eine Webseite wie ein Immunsystem

Es klappte – aber eine Woche später herrschte auf der Webseite von Airbnb wieder gespenstische Ruhe. Doch dann wurden die drei Unternehmer in den “Y Combinator” aufgenommen, eine Art Ausbildungslager für StartUps. Brian Chesky erzählte auf der Code-Konferenz von den Vorbildern, die er für Airbnb im Auge hatte: “Meine Vorbilder waren Ebay und Craigslist. Das waren die Großen bei den Kleinanzeigen. Und sie hatten die Idee, dass eine Webseite wie ein Immunsystem laufen könnte – also die User kaufen und verkaufen.”

Dieses System hat Airbnb für die Zimmervermittlung auf der ganzen Welt perfektioniert und ist damit zur stärksten Konkurrenz der etablierten Hotelbranche geworden, allen Unkenrufen zum Trotz. Denn anfangs hielten viele die Idee, fremde Leute in der eigenen Wohnung übernachten zu lassen, für verrückt – Geldgeber inklusive. Heute hat Airbnb mehr als 3000 Angestellte, 150 Millionen Menschen nutzen den Dienst. Airbnb war die erste Plattform, bei der sich sofort prüfen ließ, ob eine bestimmte Ferienwohnung frei war oder nicht. Der baldige Gang an die Börse gilt als sicher.

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Mitschuld an der Wohnungsknappheit?

Die rasante Expansion hatte ihren Preis. Dem Unternehmen aus San Francisco wird vorgeworfen, Mitschuld an der Wohnungsknappheit in Metropolen wie New York, Berlin oder Paris zu haben. Doch anders als Fahrdienstleister Uber geht Airbnb nicht auf Konfrontation. “Wir haben uns mit Städten zusammengetan”, sagt Chesky. “Manche wollen viele Airbnbs, andere wollen eine Deckelung – wir betrachten jede Stadt einzeln. Es muss ein Kompromiss gefunden werden zwischen dem, was eine Stadt will, was der Gastgeber will und wir als Unternehmen. Diese Balance suchen wir.”

Inzwischen muss das Portal an vielen Orten strenge Auflagen erfüllen. In San Francisco beispielsweise wird jeder Gast registriert, die Belegungssteuer oder Hotelsteuer wird automatisch bei der Buchung mitbezahlt. New York verpflichtete das Unternehmen gerade, künftig eine Liste seiner Gastgeber und Informationen über sämtliche getätigte Transaktionen an die Behörden zu übermitteln.

Neben Unterkünften bietet Airbnb inzwischen auch so genannte Entdeckungen an: Surfstunden am Venice Beach, eine Sumo-Trainingsstunde in Tokio oder mit dem E-Bike durch Brandenburgs Wälder fahren. Wer einmal auf der Seite ist, kann hier sowohl seine Nächte als auch Tage in einer fremden Stadt planen. Die Zeiten von Luftmatratzen und Frühstücksflocken liegen längst hinter einem der wertvollsten Start-ups weltweit.

Über dieses Thema berichtete WDR5 am 11. August 2018 um 07:48 Uhr.

http://www.tagesschau.de/ausland/airbnb-jubilaeum-101.html

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