Während sich die aktuelle Konsolengeneration langsam aber sicher ihrem Zyklusende nährt (im Oktober wird die PS4 in Europa fünf Jahre alt), beginnen die Spekulationen über die Zeit danach. Insbesondere Sony ist dabei ein Thema, denn die Japaner wollen an den klassischen Generationswechseln festhalten, wie man in der Vergangenheit mehrfach betonte. Auch wenn man den Produktzyklus nun teilt und eine leistungsfähigere Pro-Version nachschiebt, was den Erlösen kaum geschadet hat.

Übers Wochenende machten nun Gerüchte über die Playstation 5 die Runde und die Webseite Semi Accurate orakelte die ersten technische Details zur Playstation 5, während an anderer Stelle Leaks und Fakes die Runde machen. Klar ist, dass die PS5 entwickelt wird und es auch schon Gespräche mit Spieleentwicklern gegeben haben, um den Rahmen abzustecken. Die werden gerne nach mehr Leistung rufen, aber ist das auch tatsächlich machbar?

Das wäre die erste Frage, die man sich stellen muss. Klar, schnellere Hardware lässt sich immer verbauen, aber es muss auch finanzierbar sein. Kleinere Fertigungsprozesse und mehr Speicher erweisen sich zuletzt als recht preistreibend. Derzeit werden Konsolenchips in 16 nm bei TSMC gefertigt. Dessen Nachfolgeprozess, TSMCs 7-nm-Technik, wird für eine Massenware wie Konsolenchips bestenfalls 2019 bereitstehen. Und da Konsolen traditionell im Spätherbst erscheinen, wird es wohl noch einige Zeit dauern, bis man ein neues Modell zu Gesicht bekommt.

Ein anderes Thema ist die Speicherversorgung mit entweder GDDR6 oder HBM2. HBM2 wird sich wohl trotz vorhandener Vorteile für die Konsolenfertigung aus Kostengründen disqualifizieren. Aber auch GDDR6 wird zunächst teuer sein, denn dessen Produktion läuft erst an und ist damit ein Grund mehr, dass man sich mindestens bis 2019 gedulden muss.

Derzeit geht man auch fest davon aus, dass wieder AMD die SOCs stellt, mit aktualisierter Technik. Zwar legt Sony keinen besonderen Wert auf Plattformkompatibilität, aber es macht den Entwicklern die Aufgabe deutlich leichter, wenn sie für etablierte und verbreitete x86-Geräte mit OpenGL– oder DirectX-Grafik entwickeln können.

Davon ausgehend wird nun darüber spekuliert, welche Hardware in der Playstation 5 stecken könnte. Bei der CPU geht man davon aus, dass der SOC von AMD zwei CCX der Zen-Architektur haben wird, was acht Kernen und potenziell 16 Threads entspricht. In der Größe glaubt man, sind die beiden CCX in 7 nm so groß wie jetzt der Jaguar-Kern in 16 nm. Für höhere Ausbeute könnte man einzelne Kerne deaktivieren, die gemäßigt getaktet werden. Recht sicher ist man sich auch, dass es nicht wieder eine CPU gibt, die eigentlich für den Mobil-Markt entwickelt wurde, alleine weil AMD nun mehr Optionen hat als einst.

Grafisch wird wohl ohne Frage etwas aus dem Bereich GCN zum Einsatz kommen, das auf die Anforderungen der Playstation 5 ebenso wie auch auf eine neue Xbox angepasst wird. Hier wird der Preis des Endproduktes maßgeblich eine Rolle bei der Leistungsfähigkeit spielen. Sony wie Microsoft werden einmal mehr 400-500 Euro für das Basisprodukt anpeilen und entsprechend wird die GPU zugeschnitten sein – stets mit der Option einer Pro/X-Fassung mit mehr Grafikleistung.

Nun sind Spekulationen hier besonders schwierig, weil es zu Navi kaum Anhaltspunkte gibt, was das Design angeht. Bei Vega beispielsweise war das etwas anders, denn die Technik war zuerst in Konsolen verfügbar, aber es gab bereits mehr Informationen zum Zeitpunkt, als Spekulationen über die Leistung anstanden. Daher wird hier bei den Prognosen auch vornehmlich mit Faktoren und Teraflops gearbeitet. Man geht davon aus, dass die neuen Konsolen um den Faktor 6-8 schneller sind und insgesamt auf 11-15 Teraflops kommen – immer noch viel Spielraum.

Hält AMD am Konzept fest, 64 Shader pro Compute Unit einzusetzen, wäre ohnehin bei 4.096 Shader Schluss, denn der GCN-Architektur wird nachgesagt, dass sie maximal 64 Units verbindet. Und recht sicher ist, dass nicht alle CUs genutzt werden, um die Ausbeute zu verbessern. Ob das alles bei Navi noch so sein wird und ob der überhaupt zum Einsatz kommt, weiß nur AMD, weshalb eine Hochrechnung der GPU-Eckdaten höchst spekulativ ist.

Gemacht wird es trotzdem und für eine 11 Teraflops schnelle Konsole errechnet man, dass man bei Navi 60 CUs mit ca. 1.500 MHz bräuchte, ca. 100 MHz weniger bei 64 CUs. Für eine 15 Teraflops schnelle Konsole wären ca. 1.950 MHz bzw. ebenfalls wieder um 100 MHz weniger notwendig. Während die knapp 2 GHz auch bei einem neuen Prozess in einer Konsole eher unrealistisch sind, wären 1,5 GHz sicher technologisch und ökonomisch machbar, wie die Xbox One X erahnen lässt. Besser wäre es noch, wenn die Grenze zu 64 CUs aufreißen würde, weil man dann mehr CUs zugunsten des Taktes verbauen könnte. Damit wird der Chip größer, was aber im 7-nm-Prozess gutgemacht werden könnte. Wo dann die wirtschaftliche Grenze zwischen Takt und Shaderkernen liegt, wird man ausknobeln müssen – auch im Hinblick auf erzielte Leistung und dem Problem, die TDP sinnvoll abzuführen.

Zu erwarten ist außerdem, dass sowohl Sony als auch Microsoft wieder die eine oder andere Spezialzutat in den SoC werfen, so wie es bei der aktuellen Generation auch schon der Fall ist. Da haben wir beispielsweise Checkerboard Rendering gesehen und wer weiß, was die Zukunft bringt. Manche glauben an hardwarebeschleunigtes Raytracing für Real Time Global Illumination. Denkbar wäre es natürlich, zumal Microsoft an solchen Dingen für seine API arbeitet.

Am Ende wird das aber ebenso gering zur Frage des Erfolges beitragen wie fünf Shader hin oder her. Die Frage, in welche Richtung die Konsolenhersteller gehen wollen, steht ganz oben auf der Liste der Entscheidungspunkte, dicht gefolgt vom Preis. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass dies elementare Fragen sind, noch vor der Leistungsfähigkeit. Die Aufgabe wird also einmal mehr sein, eine Konsole für 400-500 Euro zu bauen. Je nachdem, was man noch so an Technik haben will, schränkt das den SOC ziemlich schnell auf eine gewisse Leistungsfähigkeit ein. Ähnlich wird es beim Speicher sein, wo der große Sprung aus Kostengründen ausbleiben dürfte. Spekuliert wird bestenfalls ein Sprung auf 12 GiByte, während mehr aus Kosten- und Nutzengründen unrealistisch erscheint. Leistungstechnisch sinnvoller wäre es ohnehin, freies Budget in SSD-Technik zu stecken. Erwarten darf man gewiss, dass Sony und Microsoft von Beginn an zweigleisig planen und eine Ausbaustufe im Hinterkopf haben. Kosten für eine angemessene Leistungssteigerung könnten die Veröffentlichung aber trotzdem bis 2020 schieben.

Quellen: Semiaccurate, Digital Foundry, Reset Era

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