Vier neue Ryzen-Modelle bringt AMD ab heute auf den Markt und ergänzt damit das Ryzen-2000-Portfolio, welches mit den Raven-Ridge-APUs (zum Test) vor wenigen Wochen eingeführt wurde. Im Gegensatz zu den APUs sind die Prozessoren sowohl im neuen Fertigungsprozess “12LP” hergestellt, als auch mit ihrem Heatspreader per Indium-Lot verbunden. Zusammen mit einer deutlich verbesserten Turbo-Funktion will AMD nun endgültig zu Intel aufschließen oder gar überholen.

Die neuen Ryzen 2000

      

Die Neuen, das sind jeweils zwei Ryzen-7-Achtkern-CPUs und zwei Ryzen-5-Sechskern-Modelle, jeweils einmal mit “X” und einmal ohne. Beim Topmodell, dem achtkernigen R7-2700X, hebt AMD zudem die TDP leicht von 95 auf 105 Watt an, der R5-2600X muss nach wie vor mit dem niedrigeren Wert auskommen, damit allerdings auch nur sechs statt acht Kerne versorgen. Einen R7-2800X wird es nach aktuellem Stand der Dinge nicht geben, möglicherweise hebt ihn sich AMD für einen weiteren Refresh auf oder um auf Intel reagieren zu können.

Ryzen 7 2700X 5 2600X Review 05Ryzen 7 2700X 5 2600X Review 05Quelle: PC Games HardwareWährend AMD bei den X-Prozessoren AMD die bestmögliche Performance in den Vordergrund stellt, sind die Varianten ohne X auf eine TDP von 65 Watt beschränkt und sollen eine bessere Energieeffizienz bieten. Aus diesem Grunde haben wir sie auch nicht mit den zum Test angetretenen X-Modellen simuliert.

Nach wie vor gilt: Alle (neuen) Ryzen-2000-Modelle besitzen einen freigeschalteten Multiplikator (max. 63,75) für problemlose Overclocking-Experimente und alle Ryzen 5 und 7 bieten aktives SMT, welches die parallel zu bearbeitenden Threads virtuell verdoppelt.

Ryzen 2000 ist komplett. Vorerst, denn noch fehlen aktualisierte Threadripper-Varianten. Zwar werden viele Ryzen-1000-Modelle durch die Neuankömmlinge quasi obsolet, AMD gab auf Nachfrage jedoch zu Protokoll, dass diese mit verringerter Priorität weiter in den Handel gelangen sollen, solange es dafür von Kundenseite Interesse gebe.

Prozessor Kerne/Threads Basistakt/Boost L3-Cache TDP Preis
Ryzen 7 2700X 8/16 3,7/4,3 GHz 16 MiB 105W 319 €*
Ryzen 7 2700 8/16 3,2/4,1 GHz 16 MiB 65W 289 €*
Ryzen 5 2600X 6/12 3,6/4,2 GHz 16 MiB 95W 225 €*
Ryzen 5 2600 6/12 3,4/3,9 GHz 16 MiB 65W 195 €
Ryzen 5 1500X 4/8 3,5/3,9 GHz 16 MiB 65W 142 €
Ryzen 5 2400G 4/8 3,6/3,9 GHz 4 MiB 65W 128 €*
Ryzen 3 1300X 4/4 3,4/3,9 GHz 8 MiB 65W 112 €
Ryzen 3 2200G 4/4 3,5/3,7 GHz 4 MiB 65W 91 €*

Das ist neu bei Pinnacle Ridge aka Ryzen 2000

      

Den genauen Unterschied zwischen der Ryzen-1000-Reihe (Summit Ridge) und der neuen 2000er-Reihe (Pinnacle Ridge) haben wir einen separaten Artikel gewidmet.

PCGH Print 06-2018 Ryzen 2000 Review: Das bringt die 12LP-FertigungPCGH Print 06-2018 Ryzen 2000 Review: Das bringt die 12LP-FertigungQuelle: PC Games HardwareDie wichtigsten Neuerungen sind die Fertigung im 12LP-Prozess anstelle des zuvor genutzten 14LPP. Die Verbesserungen nutzt AMD allerdings nicht, um zusätzliche Transistoren einzuschieben oder den Chip zu schrumpfen, auch wenn das eine frühe, fehlerhafte Version des verteilten Reviewer’s Guides nahelegte (dort waren noch per Copy-and-Paste die Werte von Raven Ridge vorhanden). So bleibt auch das Pinnacle-Ridge-Die bei 213 mm² Chipfläche und 4,8 Milliarden Transistoren.

Was AMD hingegen mit den Prozessverbesserungen zustande bringt, sind schnellere Schaltungen. Eine verringerte, nötige Versorgungsspannung bildet die Grundlage. AMD gibt einen Schnitt von 0,05 Volt an. Die gesparte Energie kann dann wiederum wieder zu höheren Taktraten führen, sodass der Turbo-Modus stärker boostet. Bei (annähernd) gleicher Frequenz, die wir über das Abschalten des Turbos erreichten, erwies sich der R7-2700X als wesentlich sparsamer und effizienter. Mangels größerer Menge an Daten können wir jedoch nicht ganz ausschließen, ein besonders gutes Exemplar erwischt zu haben.

NEU: Ryzen 2000 Turbo-VerbesserungNEU: Ryzen 2000 Turbo-VerbesserungQuelle: PC Games HardwareApropos Turbo: Dieser arbeitet nun opportunistisch und nicht mehr so starr wie noch bei den Ryzens der 1000er-Reihe. Konkret bedeutet das, der Turbo liegt unabhängig von der Last auf den Kernen so lange an, wie bestimmte Parameter wie die Chiptemperatur und die Stromversorgung durch das Mainboard im Rahmen bleiben. Konkret bedeutet das: Es wird immer bis an die Grenze von Temperatur und/oder Stromversorgung gebostet, der All-Core-Turbo lag im Test meist knapp oberhalb von 4 GHz, wohingegen der R7-1800X noch bei 3,7 GHz verharrte.

Nur noch der Ryzen 7-2700X bekommt das Temperatur-Offset. Es liegt bei 10 °C anstelle von zuvor 20 °C und wird in Programmen wie HWInfo als “Tctl” angezeigt, die reale Kerntemperatur ist “Tdie”.

Auf Software-Seite gibt es eine wesentlich mächtigere Version des Ryzen Master Tools für Übertakter. Dieses erlaubt nun das gezielte Deaktivieren einzelner Kerne, ein Absenken der Taktrate pro Kern auf ein Minimum von 600 MHz und natürlich das Übertakten – ebenfalls auch einzelner Cores – in 25-MHz-Schritten. Überdies zeigt es den besten und zweitbesten Kern pro CCX an und markiert den besten der besten mit einem gelben Sternchen. Die Ausgabe der aktuellen Belastung der Stromversorgung abhängig vom verwendeten Mainboard rundet das nunmehr wirklich sinnvolle Tool ab.

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Ryzen-Master-Tool-R7-2700X-pcgh

Ryzen-Master-Tool-R7-1800X-pcgh

Ryzen 2000, Cache und Speicher

      

AMD gestattet den Ryzen-2000-Modellen nun besonders flotten RAM. Maximal werden DDR4-2933 unterstützt – doch wie zuvor gibt es hier Einschränkungen. Denn dies gilt nur für maximal zwei Module und zudem muss das Motherboard sechs Layer aufweisen. Auf 4-Layer-Boards bleibt DDR4-2667 das Maximum. Weitere Angaben gibt die Tabelle direkt von AMD.
AMD jagt Intel: Ryzen 7 2700X und R5 2600X entscheidend verbessert (1)AMD jagt Intel: Ryzen 7 2700X und R5 2600X entscheidend verbessert (1)Quelle: PC Games HardwareEbenfalls wie zuvor wird zwischen Dual-Rank- und Single-Rank-Bauweise unterschieden. Dual-Rank hatte sich in der Vergangenheit dabei als schneller herausgestellt, meistens auch, wenn es eine Geschwindigkeitsstufe unter entsprechenden Single-Rank-Modulen angesiedelt war. Das gilt für den runderneuerten PCGH-Parcours ebenfalls – standardmäßig testen wir Ryzen-2000-Prozessoren daher mit 2× DDR4-2667 in Dual-Rank-Bauweise. Einige Beispiel-Werte sehen Sie im Benchmark-Diagramm zur Speicherskalierung.

AMD Ryzen 2000 Memory Scaling

Ryzen 7-2700X Memory Scaling Minimum Fps = 99th percentile

  • Assassin’s Creed Origins

  • Cities Skylines

  • Kingdom Come Deliverance

  • Wolfenstein 2

  • Far Cry 5

Info Icon
Detail Settings Max. Details except: no Antialiasing, anisotropic filtering, ambient occlusion. Post-processing effects minimal if possible
System 16 GiByte DDR4-RAM per memory channel. Speed according to each processor’s maximum specification.
Game Assassin’s Creed Origins: “Alexandria”

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Name

1.280 × 720 (Average Fps)

Minimum Fps

PCGH Print 06 2018 Ryzen 2000 Memory-LatenzPCGH Print 06 2018 Ryzen 2000 Memory-LatenzQuelle: PC Games HardwareAuch an den RAM-Latenzen und am Cache hat AMD gearbeitet. Natürlich steigen die Transferraten beider Komponenten mit höherem Takt, sodass wir uns hier auf die in Nanosekunden angegebenen Latenzen konzentrieren. Hier erreicht AMD beim Pinnacle-Ridge eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorgänger Summit Ridge. Während die Latenz des L1-Caches um 10 Prozent von 1,0 auf 0,9 Nanosekunden sank, sind es beim L2-Cache bereits rund 33 Prozent weniger Wartezeiten, bis die geforderten Daten bereitstehen, und sind damit auf demselben Niveau wie bei Intels Core i7-8700K angelangt. Auch den L3-Cache verschnellerte AMD um 21 Prozent – er war bereits vorher ähnlich flott wie das Intel-Pendant.
PCGH Print 06 2018 Ryzen 2000 Cache-LatenzPCGH Print 06 2018 Ryzen 2000 Cache-LatenzQuelle: PC Games Hardware

Ryzen 2000, Gaming-Performance

      

In der (gerade noch aktuellen Ausgabe der) PC Games Hardware 05/2018 haben wir bereits die Änderungen im CPU-Parcours angekündigt und angetestet. Für den Test des Ryzen 7-2700X und Ryzen 5-2600X haben wir noch eine Extra-Runde eingelegt.

Um größtmögliche Aktualität zu bieten, griffen wir zum Start der neuen Tests auf den als Release-Kandidaten gehandelten Build 17333 des Windows-10-Spring-Creator’s-Updates zurück – nichtsahnend, dass dieser quasi in letzter Sekunde verzögert wurde. Im Test waren wir allerdings nicht vom Bluescreen-Problem betroffen. Ein weiterer, gewichtigerer Grund für unsere Wahl: Im Spring Creator’s Update sind für die AM4- und Sockel-1151/2011-Plattformen sämtliche Schutzvorkehrungen gegen Spectre und Meltdown ab Werk aktiv – inklusive möglicher Performance-Beeinträchtigungen.

Prozessor per Mausklick auswählen

InSpectre Core i7-8700K-pcgh

Inspectre Ryzen 7-1800X-pcgh


Inspectre Ryzen 7-2700X-pcgh

Mit diesen Vorabbemerkungen nun auf in den verkürzten Benchmark-Parcours, Stand April 2018. Die übrigen Werte, weitere fünf Spieletitel (Crysis 3, Prey, Rise of the Tomb Raider, Sid Meier’s Civilization VI und natürlich The Witcher 3 GOTY) und zwei Anwendungen (Handbrake 1.10 Youtube 1080p60, Adobe Premiere CC) sowie mehr zum Übertakten der Ryzen-CPUs und eine Auflösungsskalierung, finden Sie in der PC Games Hardware Printausgabe 06/2018, ab 2. Mai am Kiosk!

AMD Ryzen 2000 Gaming

Ryzen 7-2700X & Ryzen 5-2600X Gaming Performance. Minimum Fps = 99th percentile

  • Assassin’s Creed Origins

  • Cities Skylines

  • Far Cry 5

  • Kingdom Come Deliverance

  • Wolfenstein 2

Info Icon
Detail Settings Max. Details except: no Antialiasing, anisotropic filtering, ambient occlusion. Post-processing effects minimal if possible
System 16 GiByte DDR4-RAM per memory channel. Speed according to each processor’s maximum specification.
Game Assassin’s Creed Origins: “Alexandria”

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70

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Name

1.280 × 720 (Average Fps)

Minimum Fps

AMD Ryzen 2000 Applications

Ryzen 7-2700X & Ryzen 5-2600X Application Performance.

Info Icon
Settings Ultra-Kompression LZMA2, Game-Folder “Cities Skylines” (7,26 GiByte)
System 16 GiByte DDR4-RAM per memory channel. Speed according to each processor’s maximum specification.

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Name

7-zip (Seconds (less is better))

Ryzen 2000 Fazit

      

Wie schon vor Jahresfrist hat AMD mit dem Ryzen-Refresh ein ziemliches Brett vorgelegt und die Vorgängerprodukte an entscheidenden Stellen verbessert. Zwar stellen speziell die noch immer nicht optimal mit der Kernzahl skalierenden Spiele weiter eine Intel-Bastion dar, aber AMDs Angebote knabbern stetig an deren Fundamenten.
Ganz anders in Anwendungen, die traditionell besser mit der Anzahl der Rechenherzen zulegen können. Hier lag bereits im alten Parcours AMDs Ryzen 7-1800X knapp vor Intels Core i7-8700K. Mit dem Wechsel auf die neuen, besser skalierenden Tests vergrößert sich dieser Abstand merklich und der aktuelle Ryzen 7-2700X streut sein Turbo- und Latenzen-Salz in die offene Wunde – er ist über 10 Prozent flotter unterwegs als Intels Mainstream-Topmodell und kommt im Anwendungsbereich sogar auf Schlagdistanz zum über 60 Prozent teureren Core i7-7820X.

CPU-Temperaturmessung: Wie heiß darf ein Intel- oder AMD-Prozessor werden?CPU-Temperaturmessung: Wie heiß darf ein Intel- oder AMD-Prozessor werden?PCGH Plus: Für moderne, leistungsfähige Prozessoren spielt die Kühlung eine wichtige Rolle. Deren Effektivität lässt sich an der CPU-Temperatur ablesen. Im Folgenden erläutern wir, was dabei zu beachten ist. Der Artikel stammt aus PC Games Hardware 04/2018.
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08:13
Unboxing-Video: AMD Ryzen 7 2700X und 5 2600X mit X470-Mainboards von Asus und MSI

amd jagt den i7 8700k ryzen 7 2700x und r5 2600x im test entscheidend verbessert 1 - AMD jagt den i7-8700K: Ryzen 7 2700X und R5 2600X im Test entscheidend verbessert

http://www.pcgameshardware.de/Ryzen-7-2700X-CPU-267374/Tests/vs-8700K-Ryzen-5-2600X-Review-Benchmark-Release-Preis-1254720/

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